Aber alles schön der Reihe nach:
Nach einem guten Frühstück bei unserer Familie, bei der wir wohnen, ging's zuerst am Vormittag zu unserem Massage-Termin in Malinska. Gut "durchgeknetet" und entspannt fuhren wir weiter zu unserem Freund nach Porat, der inzwischen in der Konoba seinen Dienst begonnen hatte. Auch dort - natürlich - großes "Hallo" (aber nur
Auf der Rückfahrt von Porat nach Malinska bat ich dann meinen Mann, doch bitte an dem Wegweiser "Turčići" abzubiegen; unter dem Wegweiser befindet sich noch ein kleines Schild "Groblje", also Friedhof, so dass ich eigentlich irgendwo eine Friedhofskapelle erwartete.
Aber nach ca. 700 m durch einen kleinen Wald und auf zum Teil unbefestigter Straße kamen wir zu ca. 5-6 Häusern (das mußte wohl Turčići sein) - und mittendrin diese Kirche:
Welche Freude, nicht einen Friedhof (den ich dann letztendlich gar nicht zu Gesicht bekommen habe) zu finden, sondern eine richtige Kirche
Und rechts daneben ein wunderschön renoviertes Steinhaus, an deren Auffahrt zwei Handwerker werkelten.Aber zuallererst inspizierte ich die Kirche, deren Tür - wie meistens - verschlossen war. Also, wo den Schlüssel herbekommen
Ich hatte eigentlich keine große Hoffnung, dass einer der Handwerker wüßte, wer in dieser kleinen Ortschaft "Schlüsselgewalt" über die Kirche hat, aber versucht hab' ich es trotzdem. Ich sagte mein Sprüchlein auf Kroatisch auf, worauf der "Arbeiter" mich fragte, ob ich auch Englisch sprechen würde. Daraus ist dann ein so nettes Gespräch entstanden, dass wir richtig die Zeit vergessen haben:
Es stellte sich nämlich heraus, dass dieser nette Handwerker der Hausherr des Steinhauses ist, selber Holländer sei und in jungen Jahren eine Kroatin aus Turčići geheiratet habe. Nun leben sie seit zig Jahren in den USA und ihr Haus in T. bewohnen sie nur als Sommerfrische. Das Steinhaus wäre das Geburtshaus seiner Frau und bereits über 200 Jahre alt, wie fast alle der Häuser in Turčići. Schräg gegenüber, das uralte , teils zerfallene Steinhaus, wäre das Geburtshaus der Ururururur...großmutter seiner Frau und schon über 500 Jahre alt - der Ort also eigentlich ein Steinmuseum
Und irgendwann bei unserem so angeregten Gespräch kamen wir dann auf den Sinn unseres Besuches in T. Er konnte überhaupt nicht verstehen, wie sich "Touristen" in solche Häuseransammlung verlaufen (-fahren) können. Da erzählte ich ihm von meinem eigentlichen Ansinnen, nämlich dem Fotografieren von Kirchen - und so kamen wir dann auch auf unser Forum, das Lexikon etc. zu sprechen, was er unheimlich interessant fand und er auch gleich am Abend im Internet aufrufen wollte (leider kann ich ja nicht nachvollziehen, ob er's auch wirklich getan hat).
Und dann waren wir endlich beim Thema "Kirchenschlüssel". Ja, ja, meinte er, da drüben in dem alten Bauernhof würde der Schlüssel liegen; ich brauche nur dort jemanden finden, der ihn mir gibt.
Gesagt, getan, ging ich zu dem mir gezeigten Haus:
Auf dem Hof blickte ich mich um und hörte aus einem "Stall" Musik:
Der Musik ging ich nach und erwartete eigentlich, eine alte Frau oder einen alten Mann anzutreffen. Aber plötzlich stand ein junger Bursche, so ca. 25 Jahre alt, vor mir. Ich fragte ihn nach dem Schlüssel für die Kirche, den er mir sofort bereitwillig holen wolle, aber aus dem Wohnhaus.
So hatte ich Gelegenheit, mich ein wenig umzusehen und erblickte dieses Stilleben:
Und dann kam mein Jungbauer zurück mit einem großen Schlüssel in der Hand und sah meine erstaunten Augen und meine Begeisterung über den Wein und die Schinken. Da er kein Wort Deutsch sprach, hab' ich wahrscheinlich auch nicht alles so richtig verstanden, aber auf jeden Fall meinte er, ich müsse unbedingt seinen Wein probieren - und lief und holte Gläser. Zwischenzeitlich war mein Mann auf die Suche nach seiner Frau gegangen - und entdeckte mich im Stall. Aber nicht nur mich, sondern machte mich auch darauf aufmerksam, ob ich dieses schon gesehen hätte:
Und dann das:
Diese Feuerstelle wäre, so der junge Mann, heute noch in Betrieb und er meine, sie wäre wohl ebenfalls so alt wie der Stall, nämlich über 200 Jahre.
Zwischenzeitlich genossen wir seinen wirklich traumhaften Rotwein
. Solchen Rotwein hatten wir eigentlich seit unserer Dalmatien-Zeit, also vor rd. 30 Jahren, nicht mehr getrunken. Damals auch direkt beim Weinbauern. Und dann kam es zur alles entscheidenden Frage: Was der Wein denn kosten würde; wir würden ganz gern 5 l mitnehmen.
Der junge Mann schaute, als ob er nicht richtig verstanden hätte
. Nein, nein, er würde den Wein nicht zum Verkaufen machen, aber wir könnten noch hier bleiben und weiter trinken
Oh weia, wir mußten doch noch Auto fahren, also das war nicht die Möglichkeit, die 5 l zu bekommen. Da fiel meinem Mann ein, es auf die Mitleidstour zu probieren
Er erzählte dem netten jungen Mann von meinem Geburtstag - "Wie, heute?" - worauf ich meine Bussis von ihm bekam - und natürlich mir Wein mitnehmen könne und und und.... Aber im nächsten Jahr müsse ich auf jeden Fall wieder zu ihm kommen - und dann gäbe es auch noch Schinken zur Feier des Tages
Wahrscheinlich kann sich niemand von Euch vorstellen, wie mir zumute war - und wie glücklich . Ich hätte Purzelbäume
schlagen können!Ja, und was soll ich sagen, zu guter Letzt bin ich dann aber doch noch zu meinen Fotos von der Kirche gekommen. Aber ich muss sagen, diesen Tag werde ich wohl nicht vergessen, zum einen - natürlich - wegen des Weines, aber vor allem wegen des so äußerst netten Kontaktes mit den Bewohnern von Turčići.
Und, wer weiß, vielleicht wird im nächsten Jahr mein Geburtstag wieder auf Krk gefeiert
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Sonni der Bericht ist Klasse , Schinken und Rotwein